Corona, Oberliga und alte Herren

Aktualisiert: Sept 9

Das zweite Jahre des neuen Präsidiums neigt sich seinem Ende zu. Zeit für einen kurzen Rückblick. Harry Hurtig traf sich mit dem amtierenden Präsidenten Laszlo Kish zu einem Gespräch über Corona, alte Herren, den Aufstieg und die Zukunft. Fragen an unseren Präsidenten.


In Kürze beginnt Dein drittes Jahr als Präsident des LSV. Magst Du nach zwei Jahren Amtszeit ein kleines Resümee Deiner Erfahrungen geben?

seit 2018 ist Laszlo Vorsitzender des LSV

(lacht) Zwei Jahre? Die sind vergangen, wie im Flug. Und sie waren recht turbulent.

Der grösste Erfolg war mit Sicherheit der Gewinn des Meistertitels 18/19. Der grösste Einschnitt auf der anderen Seite war der coronabedingte Abbruch der vergangenen Saison 19/20. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, nach dem Meistertitel des Vorjahres an diesen Erfolg anzuschließen. Und wir waren auch auf dem besten Wege dahin, doch dann hat uns das Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als der Abbruch kam, belegten wir gerade den zweiten Tabellenplatz.

Ich persönlich empfinde aber den Bruch der Tradition während meiner bisherigen Amtszeit als besonders schmerzlich. Das erstemal seit der Gründung des Vereines musste unser alljährliches Sportfest am Ende der Spielzeit ins Wasser fallen.


In welchem Zustand war der Verein als Du ihn übernommen hast?


Ich hatte das große Glück einen "gesunden" Verein übernehmen zu können. Die Mannschaft waren auf dem besten Weg zur Meisterschaft, die Finanzen des Vereins waren solide, die Anzahl der Mitglieder war auf einem guten Niveau - natürlich gibt es da immer Luft nach oben. Doch alles in allem habe ich von meinem Vorgänger einen ausgezeichnet funktionierenden Traditionsverein übernehmen dürfen, der im Laufe der Jahre mal bessere und natürlich mal auch schwächere Zeiten erlebt hat. Besonders beeindruckt hat mich - und tut es heute noch - die Kameradschaft und der Zusammenhalt in einer äusserst bunten Mannschaft. Und damit scheine ich nicht alleine zu sein. Das ist eines der am häufigsten genannten Gründe, wenn Spieler zu uns wechseln möchten. Schon fast legendär sind die Kabinen-Feiern nach unseren Heimspielen. (lacht) Und das unabhängig vom Spielausgang.


Du hast Spieler erwähnt, die zum LSV wechseln. Das ist insofern überraschend, als in der Region zahlreiche Mannschaften mit Nachwuchssorgen und/oder Mitgliederschwund zu kämpfen haben und jedes Jahr Vereine auch aufgeben müssen. Wie ist es denn um die Zukunft des LSV bestellt?


Natürlich haben wir diese Sorgen auch. Wir agieren ja nicht im luftleeren Raum. Zwar leben wir in einem Dorf, das sich entgegen der allgemeinen Tendenz, über einen langsamen aber stetigen Zuzug junger Familien freuen kann, doch reicht das bei weitem nicht aus, um aus eigener Kraft eine Nachwuchsmannschaft stemmen zu können. So machen wir uns natürlich Gedanken darüber, wie wir die Zukunftssicherheit des Vereines gewährleisten können. Zumal wir auch Zeiten erlebt haben, als wir nicht genügend Spieler aufbringen konnten, um zum Spiel anzutreten. Damals gab es auch Stimmen, die sich für die Auflösung des Vereines aussprachen, oder für das Zusammengehen mit potenteren Mannschaften, wie beispielsweise dem Penzliner SV. Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden.


Wie sieht dieser "andere Weg" aus?


Wir haben beschloßen zu wachsen. Mit den Vereinen, die Jahr für Jahr rund um uns herum verschwinden, verschwinden ja nicht auch deren Spieler. Sie werden einfach nur heimatlos und einige finden den Weg zum Lukower SV. Damit wächst unser Kader kontinuierlich an. Derzeit stehen uns 28 Spieler zur Verfügung.


Sorgt denn das Anwachsen des Kaders nicht für Unruhe bei den alten Stammspielern?


Natürlich gibt es vereinzelte Stimmen, die sich Sorgen machen, verdrängt zu werden, oder nicht mehr so häufig zum Einsatz kommen zu können. Und ich sehe durchaus, dass unser Vorgehen eine zweischneidige Sache ist. Natürlich werden die Anteile kleiner, wenn die Torte unter mehr Spielern verteilt werden muss, als früher. Es wäre dumm das abzustreiten. Doch was wäre die Alternative, wenn wir nichts tun? Wir müssten irgendwann die Segel streichen, weil mangels Maße nicht mehr spielfähig. Das ist für mich keine Option und für den größten Teil der Mannschaft und des Vereines auch nicht. Und ich bin überzeugt, dass wir einen guten Weg gefunden haben, um die nicht zu leugnenden negativen Folgen abzufangen.


Kannst Du diesen Weg im Einzelnen beschreiben?


Sehr gerne. Wir fahren zweigleisig: Wir nutzen zum einen die aktuelle Möglichkeit in die Kreisoberliga aufzusteigen und damit für weitere starke Wechselkandidaten noch interessanter zu werden. Zum Zweiten rufen wir als zusätzliche Mannschaft eine Altherren Mannschaft ins Leben, mit der wir weiter in der Kreisliga spielen werden.

Der Charme des LSV besteht unter anderem darin, dass wir sowohl vom Alter, als auch vom Körperbau, der Fitness und den spielerischen Fähigkeiten her äusserst heterogen sind. Bei uns spielen Junge und Alte, Dicke und Dünne, Bolzplatzkicker und potentielle Halbprofis. Wir geben ein äusserst buntes Bild ab auf dem Platz. Das ist das, was ich persönlich ganz besonders liebe an dem Verein: Jeder hat Platz und alle begegnen sich mit Respekt. Und das obwohl jeder andere persönliche Ziele mit der Zugehörigkeit zur Mannschaft verknüpft. Für einige überwiegt der Aspekt der Kameradschaft, der gemeinsam verbrachten Freizeit und von Spaß, für andere steht der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund. Natürlich sind bei Jedem beide Elemente vertreten, doch in unterschiedlicher Ausprägung. Für den Einen ist dies wichtiger, für den Anderen das. Die Belastung wird für die Spieler und Trainer durch den Aufstieg geringfügig größer - beispielsweise durch längere Anreisen zu den Auswärtsspielen, doch werden wir das mit der zweiten Mannschaft in der Kreisliga wieder abfangen können. Wir planen beide Mannschaften so durchlässig zu gestalten, dass jeder sowohl hier, als auch da spielen kann. Damit kann jeder Spieler auf sich ändernde Lebensumstände reagieren, ohne den Verein verlassen zu müssen. (lacht) Auch die "alten Herren" können im tröstlichen Bewusstsein reifen, ihren Sport wegen der Anzahl ihrer Jahresringe nicht aufgeben zu müssen.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass wir aus organisatorischen Gründen die zweite Mannschaft erst zur nächsten Spielzeit 21/22 ins Leben rufen können. Bis dahin werden wir aller Voraussicht nach die nötige Anzahl an Spielern haben, um zwei vollwertige Kader stellen zu können.


Welche anderen Ziele hast Du Dir für Deine weitere Amtszeit gesteckt?


Nun ja, den Umbau und die Modernisierung unserer Garderoben, Duschen und Restauration möchte ich in meiner Amtszeit abschließen. Bis vor Kurzem hätte ich gesagt, das ist eine Selbstverständlichkeit, doch dank Corona haben Zusagen und Termine eine sehr viel kürzere Halbwertszeit erhalten. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir kommendes Jahr unsere neuen Räume beziehen können.

Ein weiteres Vorhaben, das mir am Herzen liegt, ist, bei uns im Parkstadion einen Kinderspielplatz aufzubauen. Schließlich soll ja der Besuch bei uns im Stadion für die ganze Familie ein Vergnügen sein. Planung und die Kostenschätzung für dieses Unterfangen sind weitestgehend abgeschlossen. Jetzt suchen wir nach Sponsoren, denn es ist mir persönlich ein Anliegen, dass wir uns als Verein nicht nur auf die öffentliche Hand verlassen, sondern immer wieder Beispiel für bürgerliches Engagement sind.


Herzlichen Dank für das Gespräch.


262 Ansichten

©2019 by LSV-1959