Still ruht der See. Der Sportplatz auch.

Aktualisiert: Apr 5


Montag, 30. März 2020.

Aufgrund Corona: Homeoffice. Dazu noch Wintereinbruch.


Was macht ein Sportreporter, wenn es keinen Sport gibt, über den man berichten kann und ihn die Tastatur fordernd anstarrt? Er sucht sich verwandte Themen, wenn es in den Fingern juckt.


Nachdem wir schon die kurzen Hosen und die Badesachen klargemacht hatten, sieht nun doch alles wieder nach Winter aus. Richtiger Winter, sogar mit Schnee. Diese kleinen weißen Schaumflocken, die einfach so vom Himmel fallen. Nur noch die Altvorderen konnten sich daran erinnern.

"Früher hatten wir immer weiße Weihnachten," hört man dann oft.

Stimmt zwar nicht, aber wer will dagegen anreden. Nehmen wir es einfach so hin und erfreuen uns an der weißen Pracht. Auch wenn...


Werkende Menschen

...Weihnachten schon lange vorbei ist und sich alles schon auf Frühlingsbeginn eingestellt hatte. Da wurde gegraben, gegrubbert und vertikutiert. Wie immer bei den ersten Sonnenstrahlen verzeichneten die deutschen Baumärkte Besucherrekorde. Ich betone hier die Nationalität ganz bewusst, denn alle polnischen Stiefmütterchen und Geranien bleiben vorerst in Polen. Die Grenzen sind dicht. Viele haben sich vorher noch schnell mit Treibstoff und Kippen eingedeckt, keiner weiß, wie lange der Schlagbaum zu bleibt. Das schöne Wetter, und erst recht die Langeweile, trieben nun viele Haus-, Hof- und Gartenbesitzer trotz fehlender Stiefmütterchen und Geranien in die lokalen Heimwerkermärkte. Eine Massenbewegung, ebenso wie die plötzliche, übermäßige Bevorratung mit Klopapier und Nudeln.

Unsere gärtnerische Betätigung auf dem Sportplatz ist auch schon Geschichte. Nach unserer Sandaktion hat "Rasenpapst Zange" noch für Düngung und Moosbekämpfung gesorgt, sodass sich unser Spielfeld bis mindestens 20. April in aller Ruhe erholen kann. Es werden sicher alle mitbekommen haben, dass der Spielbetrieb so lange ausgesetzt ist. Und auch danach erwarten wohl die wenigsten einen Übergang zur normalen Tagesordnung. Wie es weiter geht, weiß keiner. Da weint das Fussballerherz, doch zumindest dem Rasen tut die Zwangspause gut.

Weisse Ostern?

Das Osterwochenende ist nicht mehr lange hin, und auch da weiß keiner, wie in diesem Jahr die Osternester versteckt werden. Denn wenn es schon zu Weihnachten nicht geschneit hat, kriegen wir ja vielleicht weisse Ostern. Eins aber ist sicher: Das traditionelle Osterfeuer wird es in diesem Jahr nicht nur in Klein Lukow nicht geben. Wir werden wohl im Garten zumindest die Feuerschale zum Glühen bringen. Stichwort Glühen: Der Vorrat an Glühwein ist vernichtet. Es darf wärmer werden, oder wir müssen Nachschub holen.

In der 4. Klasse hatte ich Heimatkunde bei Herrn Kamin. Ja, genau DER Klaus Kamin. Mitbegründer, langjähriges Vorstands- und nun Ehrenmitglied unseres Klein Lukower SV. In der Absenz jeglicher sportlicher Aktivität kann man sich nun mit Naturbeobachtungen die Zeit vertreiben und das Wissen erweitern über das, was kreucht und fleucht. Im Park ist schon allerhand los: Amsel, Specht und Meise bereiten sich auf die kommenden Aufgaben der Populationsvermehrung vor. Zugvögel wie Rotschwanz, Star und Bachstelze sind bereits eingetroffen.


In unserer Nachbarschaft wohnt seit ein paar Jahren ein Grünspecht, Vogel des Jahres 2014, der im Rasen nach Gewürm stochert und mit seinem im Internet als "kjückkjückkjück" beschriebenen Ruf die Nachbarn um den Verstand bringt.

(ich muss gerade selbst lachen)

Im Teich hinter unserem Haus lassen sich immer mal wieder Stockenten nieder und auch "Helga" ist wieder da. Helga ist ein Blässhuhn und weniger scheu als die Enten, die immer gleich abhauen wenn man zu nahe ans Gewässer tritt. Bei Blässhühnern kann man IHM und IHR nicht so leicht unterscheiden, wir wissen also nicht ob ein ER oder eine SIE fehlt, für Nachwuchs müssen es aber definitiv zwei sein. Vielleicht ergibt sich ja noch was.

Neben Fauna regt sich auch in der Flora so einiges.

Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokus sind Vergangenheit. Die Zeit gehört nun Forsythien, Perlhyazinthen und Osterglocken, passend zum Kirchenkalender. Die Knospen der Kastanien und der Obstbäume stehen kurz vor der Sprengung. Ich gehe fest davon aus, dass auch diese letzte nordische Peitsche den Lenz nicht aufhalten kann. So gibt es jeden Tag in der Natur etwas Neues zu entdecken, wenn man nur genau genug hinschaut.

Für unsere Spieler bedeutet die Unterbrechung des Spielbetriebs und der Sperrung der Sportanlagen bis hin zu Hallen und Fitnessstudios Individualverantwortung. Kein Spielplan, kein Teamtraining, kein Sozialkontakt mit den Mannschaftskameraden. Wie ich hörte, werden nun wieder alte Hometrainer entstaubt und fürs Einzeltraining zuhause in Stellung gebracht. Zum Zeitpunkt nach Corona, den es ganz sicher irgendwann geben wird, kommen wir wohl alle mit ein paar Pfündchen zu viel aus der Zwangspause. Macht aber nichts, die werden wir dann gemeinsam wieder los. Gerade so, wie wir auch Corona wieder gemeinsam loswerden.

Ein Blick aus meiner Schreibstube am Montag vormittag

Beiläufig erwähnt, aber nicht minder wichtig, haben heute noch 2 von 3 Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch Nachbarn. Wir prosten uns im Geiste zu und holen die Feierlichkeiten einfach später irgendwann mal nach.


So verbleibe ich mit den besten Gesundheitswünschen und auf Abstand bis zur nächsten Story

Euer Harry

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